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29.11.2017 14:01 Alter: 296 days

KlimaExpo.NRW im Gespräch mit Staatssekretär Christoph Dammermann

Interview mit Christoph Dammermann, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.


Christoph Dammermann, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. (Foto: MWIDE / Ralph Sondermann)

 

Zwei Wochen lang haben Delegierte aus aller Welt in Bonn über den Klimawandel diskutiert. Wie bewerten Sie die Ergebnisse der Weltklimakonferenz aus Sicht von Nordrhein-Westfalen?

Im Pariser Abkommen sind 2015 die Eckpunkte der weiteren globalen Zusammenarbeit im Klimaschutz völkerrechtlich festgelegt worden. In Bonn ging es nun darum, das sogenannte Regelbuch für die Umsetzung zu erarbeiten. Diese Arbeiten sind recht gut vorangekommen.

Zudem hat Nordrhein-Westfalen die Weltklimakonferenz genutzt, um sich als guter Gastgeber zu präsentieren. Auf insgesamt 18 Exkursionen hat die EnergieAgentur.NRW gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium dem internationalen Publikum 36 innovative Klimaschutz-Beispiele aus dem Energieland Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Bei der Programmgestaltung und Umsetzung war die KlimaExpo.NRW involviert.

Neben einem umfangreichen Angebot für die Konferenz-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer war es uns wichtig, die COP23 mit dem Land NRW, mit den hier aktiven Klimaschutz-Akteuren und den Bürgerinnen und Bürgern zu vernetzen. Daher haben wir gemeinsam mit der EnergieAgentur.NRW und dem Wuppertal Institut die "NRW Climate Lounge" ins Leben gerufen. Die Veranstaltungsreihe bot an neun Abenden Einblicke in den aktuellen Stand der COP23-Verhandlungen. Zudem gab es intensive Diskussionen von Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu Themen wie Digitalisierung und Klimaschutz, Klimaschutz im Verkehr oder Energieforschung in Nordrhein-Westfalen.

In der Rückschau können wir sagen:  Bei der Weltklimakonferenz  hat Nordrhein-Westfalen seine Stärken als innovativer Energie-Standort hervorragend zeigen können.

 

Wie kann eine innovative und zukunftsweisende Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen aus Ihrer Sicht zum Schutz des Klimas beitragen?

Unsere Industrie kann auf unterschiedlichen Wegen zum globalen Klimaschutz beitragen. Auf der einen Seite ist unsere Industrie Hersteller und Entwickler von innovativen Materialien, die für den Klimaschutz unabdingbar sind. Windkraftanlagen würden ohne Stahltürme nicht im Wind stehen, Leichtbaumaterialen und Dämmstoffe erhöhen Energieeffizienz und sparen Treibstoff. Auf der anderen Seite entstehen natürlich während der Produktion auch Treibhausgas-Emissionen. Hier muss es uns mittelfristig gelingen, die Produktionsprozesse unterm Strich THG-neutral zu gestalten. ThyssenKrupp arbeitet am Standort Duisburg an einem neuen Verfahren, das es ermöglicht, Hüttengase aus der Stahlproduktion als Basis für chemische Produkte zu nutzen – einschließlich des darin enthaltenen CO2. Damit leistet das Carbon2Chem® Projekt einen direkten Beitrag zur Vermeidung von THG-Emissionen.

Langfristig werden wir THG-Neutralität in der energieintensiven Grundstoffindustrie aber nur durch sogenannte Sprunginnovationen erreichen. Prozesse und Technologien werden sich grundlegend verändern; Low-Carbon-Technologien werden unseren Standort zukünftig prägen. Diese Technologien sind vielfach komplexer und Investitionen benötigen relativ lange, um sich zu rechnen. Häufig sind auch noch Durchbrüche im Bereich der Grundlagenforschung erforderlich. Und einige Fragen sind noch gar nicht beantwortet. Sicherlich bergen die sich abzeichnenden Veränderungen auch Risiken. Aber wenn wir uns Chancen für die Zukunft erarbeiten wollen und unseren Wohlstand an unsere Kinder weitergeben wollen, dann müssen wir diese neuen Wege beschreiten.

 

Welche Themen halten Sie für besonders wichtig, um den Klimawandel erfolgreich zu bekämpfen?

Wir müssen in vielen Bereichen vorankommen, um das Ziel des Klimaschutzabkommens von Paris zu erreichen, bis zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend treibhausgasneutral zu wirtschaften. Die großen Aktionsfelder für den Klimaschutz sind der Energiesektor, der Wärmemarkt, die Mobilität sowie die Verzahnung aller Bereiche, die sogenannte Sektorenkopplung. Hier sind nicht nur wir als Landesregierung gefragt, gleichzeitig sind auch Wirtschaft und Industrie, Wissenschaft und Kommunen aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten.

In diesem Kontext ist sicherlich das Thema Mobilität relevant. Das Verkehrsaufkommen insgesamt, aber insbesondere in den Städten, steigt. Wir haben mehr Güterverkehr zu verzeichnen - Stichwort Online-Handel – und unsere Gesellschaft altert, was zukünftig vermehrt den Einsatz von Pflegediensten und Logistikleistungen von Tür zu Tür zur Folge haben wird. Dabei gerät unsere Infrastruktur schon heute an ihre Grenzen. Stau ist für viele Menschen Alltag. Der Bedarf an individueller und passgenauer Mobilität wird steigen. Wir brauchen neue Lösungen und das bedeutet für mich in erster Linie, sich ergänzende Verkehrsträger intelligent zu kombinieren. Wir müssen zum Beispiel die Möglichkeit schaffen, mit dem Leih-Rad zur S-Bahn und vom Zielbahnhof mit dem Car-Sharing-Fahrzeug zum Termin zu fahren. Zudem müssen wir die Emissionsbelastungen in Innenstädten reduzieren.

Ein Ansatz der NRW-Landesregierung ist daher der beschleunigte Ausbau der Elektromobilität. Elektrofahrzeuge sind zentraler Baustein zur Verbesserung der Luftreinhaltung, sie sind lokal emissionsfrei und zusätzlich sehr leise. Sie eignen sich gut für das urbane Fahrprofil in Bezug auf Reichweite und im Stop-und-Go-Verkehr. Wie das Beispiel Streetscooter aus Aachen zeigt, stellen Elektrofahrzeuge eine echte Alternative für Lieferdienste dar.

 

Wie möchten Sie mit dem NRW-Wirtschaftsministerium dazu beitragen, dass diese Themen erfolgreich vorangetrieben werden?

Durch unsere Politik möchten wir deutlich machen: Ein erfolgreicher Klimaschutz und ein starker Wirtschaftsstandort müssen keine Gegensätze sein. Im Gegenteil: Klimaschutz bietet viele Chancen für Unternehmen, die moderne, energieeffiziente Technologien, Anwendungen und Verfahrensweisen anbieten. Die Nachfrage nach innovativen Produkten und Dienstleistungen für effektiven Klimaschutz nehmen weltweit zu. Ich bin überzeugt davon, dass Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen eine wichtige Rolle auf den Märkten der Zukunft spielen können. Diese wollen wir bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen und weltweit bei der Erschließung neuer Märkte unterstützen.

Lassen Sie mich beim Beispiel Mobilität bleiben. Hier sind wir als Landesregierung bereits sehr aktiv. Seit Oktober 2017 fördert die Landesregierung den Aufbau von öffentlicher und nicht-öffentlicher Ladeinfrastruktur  - elf bis 22 kW Ladeleistung - für Privatpersonen, Handwerker und Unternehmen. Ziel ist eine Verdopplung der Ladepunkte in NRW. Darüber greifen wir Kommunen unter die Arme, die über ein Klimaschutzkonzept verfügen, zum Beispiel bei der Umrüstung der kommunalen Flotten auf alternative Antriebe. Zusätzlich fördern wir Potenzialberatungen, um Bedarfe der Kommunen zu ermitteln und die Umstellung individuell zu gestalten. Zudem: Über den Projektaufruf „KommunalerKlimaschutz.NRW“ und den besonderen Förderbereich „Emissionsfreie Innenstadt“ unterstützen wir integrierte Konzepte zur Emissionsminderung in Kommunen.

Das Interview führte die KlimaExpo.NRW im November 2017.