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14.02.2018 08:58 Alter: 1 year

Flexible Stromtarife: Produzieren, wenn die Sonne scheint

Mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien sind neue Herausforderungen verbunden. Insbesondere für mittelständische Industriebetriebe ist es schwierig, ihre Produktion an die schwankende Erzeugung aus Grünstrom anzupassen. Unter Konsortialführung der Bergischen Universität Wuppertal wird im Rahmen des Forschungsprojekts „Happy Power Hour II“ ein Stromtarif entwickelt, der Industriebetrieben dies nun erleichtert. Dadurch ergeben sich nicht nur finanzielle Einsparmöglichkeiten für die Unternehmen – sondern sie leisten auch einen Beitrag zur künftigen Systemstabilität der Stromnetze. Für diesen innovativen Beitrag zur Energiewende ehrte die KlimaExpo.NRW heute in Wuppertal die verantwortlichen Akteure.


Im Bild (v.l.): Cathrin Campen, KlimaNetzwerkerin.NRW, Stephan A. Vogelskamp, Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Dr. Heinrich Dornbusch, Ge-schäftsführer der KlimaExpo.NRW, Prof. Dr.-Ing. Zdrallek, Leiter des Lehrstuhls für elektrische Energieversorgungstechnik der Bergischen Universität Wuppertal, Andy Völschow, Leiter Energie-wirtschaft und Handel der WSW Energie & Wasser AG. Das Projekt „Happy Power Hour II“ wurde als 258. Von 1.000 Schritten in eine klimafreundliche Zukunft in die Leistungsschau der KlimaEx-po.NRW aufgenommen. (Foto: KlimaExpo.NRW)

Viele stromintensive Industrieprozesse sind aufgrund immer gleicher Abläufe gut planbar. Sie bieten daher ein großes Flexibilitätspotenzial, das sich ideal für den Ausgleich der schwankenden Produktion von Erneuerbaren Energien nutzen lässt. Hier setzen die Forscher aus Wuppertal an. Ein neuer flexibler Stromtarif ermöglicht den Unternehmen ihre Betriebsabläufe an die Einspeisung des Grünstroms und die damit verbundenen Preisschwankungen der Strombörse anzupassen. „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn auch die Stromnutzung an die veränderten Bedingungen der Energieerzeugung angepasst wird. Beispielhaft wird im Projekt aufgezeigt, welche ungenutzten Potenziale mit einem Umdenken und der entsprechenden Technik gehoben werden können. Aus diesem Grund freue ich mich diesen wegweisenden Vorreiter in unsere Leistungsschau aufzunehmen“, lobte Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW bei der Urkundenübergabe. Bis 2022 präsentiert die KlimaExpo.NRW als Initiative der NRW-Landesregierung in 1.000 Schritten positive Beispiele für den Klimaschutz in und aus Nordrhein-Westfalen. Das Projekt „Happy Power Hour II“ markiert den 258. Schritt.

Produktionsprozesse an die Grünstromerzeugung anpassen

Der Stromtarif richtet sich an Unternehmen, die über zeitlich verschiebbare industrielle Prozesse verfügen beispielsweise bei Härte- bzw. Anlassöfen, Kühlhäuser oder dem Lademanagement von Flurförderzeugen. Bei der üblicherweise konventionellen genutzten Stromerzeugung ist der Preis für den abgenommenen Strom für die Unternehmen zu jedem Zeitpunkt gleich. Da der Strompreis zu Zeiten hoher Einspeisung durch Erneuerbare Energien in der Regel relativ günstig ist, lohnt sich für die Unternehmen die Anpassung der Produktionsprozesse. Der Stromtarif „Happy Power Hour II“ schafft also finanzielle Anreize, um die Produktionsabläufe zeitlich an die schwankenden Preise der Strombörse und die Grünstromerzeugung anzupassen. „Wir möchten mit unserer Entwicklung den Weg in eine klimafreundliche Energieversorgung ebnen und die Zukunft mitgestalten. Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Aufnahme in die Leistungsschau die Bestätigung erhalten, hierfür einen Beitrag zu leisten und als Vorbild zu dienen“, so Projektleiter Prof. Zdrallek von der Bergischen Universität, der die offizielle Urkunde gemeinsam mit Herrn Feicht, dem Vorstandsvorsitzenden der WSW Energie & Wasser AG, zur Aufnahme in die landesweite Leistungsschau für den Klimaschutz entgegennahm. Auch Herr Feicht betonte die Bedeutung des Projekts und des damit verbundenen Wandels in eine angebotsabhängige Energieversorgung. Das Projekt richtet sich an Industrieunternehmen mit einem jährlichen Mindeststromverbrauch von 300.000 kWh. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden bisher zehn mittelständische Industrieunternehmen unterschiedlichster Branchen hinsichtlich ihres Lastverschiebungspotenzials analysiert. Im anschließenden Feldtest werden die flexiblen Industrieprozesse der Unternehmen durch strompreisoptimierte Lastverschiebung zur Reduktion der Energiebezugskosten gesteuert.

Beitrag zur Energiewende

„Was hier im Forschungsprojekt entwickelt wird, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer zukünftigen stabilen Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien. Ich freue mich sehr über die Innovationskraft aus der Region, die nicht nur regional, sondern für das ganze Land von Bedeutung ist und die Energiewende vorantreibt“, betonte Stephan A. Vogelskamp, Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH.

Die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien schwankt teilweise massiv – umso wichtiger ist es, dass sich auch in einem von Erneuerbaren Energien geprägten Markt, Stromverbrauch und -produktion die Waage halten. Durch das Bereitstellen von Flexibilitäten auf Verbraucherseite bieten die Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Integration Erneuerbarer Energien. Im Rahmen des Projektes wurde die notwendige Kommunikations-, Steuerungs-, Mess- und Regelungstechnik sowie geeignete Software entwickelt, um den Betrieben die technische Anpassung der Produktionsprozesse an die Strompreisentwicklung zu ermöglichen. Ziel ist es, den organisatorischen Aufwand innerhalb der Unternehmen zu minimieren und das Erstellen sowie Umsetzen der strompreisoptimierten Prozessfahrpläne zu automatisieren.

Das Forschungskonsortium besteht aus dem Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik der Bergischen Universität Wuppertal, WSW Energie & Wasser AG, NetSystem Netzwerk- und Systemtechnik GmbH, Neue Effizienz – Bergische Gesellschaft für Ressourceneffizienz mbH sowie Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production GmbH.


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