< Lokaler Energieversorger zeigt, wie kommunaler Klimaschutz geht
28.06.2018 08:07 Alter: 22 days

Fit für die Zukunft: Städteübergreifende Zusammenarbeit im Zeichen des energetischen Strukturwandels

Rund ein Viertel der Treibhausgasemissionen und gut 35 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland gehen auf Wohngebäude im Bestand zurück. Innovative Sanierungskonzepte, die Effizienztechnologien und Erneuerbare Energien einbinden, sind hier gefragt. Eine Herausforderung – gerade in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet, wo es städteübergreifende historische Quartiere gibt. So auch im nördlichen Ruhrgebiet in Gelsenkirchen und Herten. Gemeinsam haben die Städte das Projekt „Energielabor Ruhr“ ins Leben gerufen und zeigen, wie ein Industriequartier klimafreundlich saniert werden kann. Für das beispielhafte Engagement wurde das Projekt heute vom Land NRW geehrt. Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW, überreichte Fred Toplak, Bürgermeister der Stadt Herten, Dr. Thomas Bernhard, Referatsleiter Umwelt der Stadt Gelsenkirchen und Dr. Babette Nieder, Vorsitzende des Klimabündnisses Gelsenkirchen-Herten e. V., die offizielle Urkunde zur Aufnahme in die landesweite Leistungsschau für den Klimaschutz.


Im Bild v.l.: Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW, Fred Toplak, Bürgermeister der Stadt Herten, Dr. Babette Nieder, Vorsitzende des Klimabündnis Gelsenkirchen-Herten e. V., Dr. Thomas Bernhard, Referatsleiter Umwelt der Stadt Gelsenkirchen. Das Energielabor Ruhr ist Schritt 233 von 1.000 in eine klimafreundliche Zukunft. (Foto: KlimaExpo.NRW)

Das Quartier rund um das ehemalige Bergwerk Westerholt umfasst eine rund 30 Hektar große Bergwerksfläche genau auf der Stadtgrenze von Gelsenkirchen und Herten, eine ebenso große Kokereifläche in Gelsenkirchen-Hassel, eine brachliegende Zechenbahnstrecke und die anliegende Gartenstadt mit ihren Zechenhaussiedlungen. Projektziel ist es, ein städtebaulich, industriegeschichtlich und baukulturell bedeutendes Gebiet trotz geringer Kaufkraft zu sanieren und klimafreundlich mit Energie zu versorgen. „Das Projekt zeigt, wie die klimagerechte Entwicklung eines Quartiers gemeinschaftlich umgesetzt und der Wandel zu neuen Energien sowie die Gebäudesanierung als Motor für die Stadtentwicklung genutzt werden können. Ich freue mich daher besonders dieses Musterbeispiel für den Strukturwandel in unsere Leistungsschau aufzunehmen“, so Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW, bei der Urkundenübergabe. Bis 2022 präsentiert die KlimaExpo.NRW als Initiative der NRW-Landesregierung in 1.000 Schritten positive Beispiele für den Klimaschutz in und aus Nordrhein-Westfalen. Das Projekt „Energielabor Ruhr“ markiert den 233. Schritt.

Ziel: Wärmewende mit lokalen Ressourcen


Die im Rahmen des Projektes bereits umgesetzten und noch angestrebten Maßnahmen sind vielfältig: Ein Teil der Gartenstadt verfügte beispielsweise über keinerlei leitungsgebundene Energieversorgung und wird ausgehend vom Zechengelände an ein Nahwärmenetz angeschlossen, das zurzeit über Grubengas und perspektivisch auch mit Solarthermie versorgt wird. In 60 größeren Zechenhäusern haben die alten Kohleöfen ausgedient. Die Wärmeversorgung erfolgt nun über Niedrigtemperatur-Nahwärme, die von einem Grubengas-Blockheizkraftwerk erzeugt wird. Über 600 Tonnen CO2 werden damit pro Jahr vermieden – und ganz nebenbei verbessert sich auch die Luftqualität. Auch die neu entstehenden Wohn- und Gewerbegebiete auf der Neuen Zeche West-erholt werden eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Energieversorgung erhalten. Weitere technische Maßnahmen der Energieerzeugung und -speicherung, wie einer großflächigen solar-thermischen Anlage und eines Wärmespeichers, sind in der Planung und sollen noch umgesetzt werden. Nach Möglichkeit soll in Zukunft ebenso die Wärme des Grubenwassers genutzt werden. „Diese integrierte Stadtentwicklung ist ein innovatives Gemeinschaftsprojekt und schafft Lebensqualität über Stadt- und Stadtteilgrenzen hinaus. Wir freuen uns, dass wir mit der Aufnahme in die KlimaExpo.NRW eine Bestätigung für unser Projekt erhalten und gleichzeitig auch die Motivation, weiter an zukunftsweisenden Konzepten und Maßnahmen zu arbeiten“, sagt Dr. Babette Nieder, Vorsitzende des Klimabündnisses Gelsenkirchen-Herten e. V.   

Sanierungsbereitschaft fördern


Um private bauliche und energetische Sanierungen anzuregen, wurde durch die beiden Städte zudem eine Förderrichtlinie mit attraktiven Fördersätzen aufgelegt, um der geringeren Kaufkraft im Quartier zu begegnen. Für jedes eingesparte Kilogramm CO2 pro Quadratmeter pro Jahr gibt es 50 Euro Zuschuss. Ergänzend dazu flankiert ein umfassendes Beratungsangebot der Kommunen das Förderprogramm – so unterstützt unter anderem ein „Katalog der Möglichkeiten“ als Leitfaden bei der Entscheidungsfindung. Die Maßnahmen ermöglichten bis Juni 2018 die Unterstützung von 370 Maßnahmen in 275 Gebäuden mit einer durchschnittlichen Fördersumme von 4.730 Euro. Dank der eingeführten Förderung konnte so das zwei- bis vierfache an Investitionen in den Privathäusern und zusätzliche Investitionen durch die Energieversorger, eine Wohnungsbaugesellschaft und benachbarte Vermieter und Gewerbetreibende ausgelöst werden. Jährlich werden so bereits 2.000 Tonnen CO2 eingespart. „Es ist von großer Bedeutung, dass unsere Städte an neue Strukturen und Technologien angepasst werden, um sie fit für die Zukunft zu machen. Stadtentwicklung kann da-bei nicht an Stadtgrenzen Halt machen“, so Fred Toplak, Bürgermeister der Stadt Herten. „Wir sind stolz, dass mit dem Projekt gezeigt wird, wie die Zusammenarbeit gelingen und erfolgreich dazu beitragen kann, Siedlungen und Gebäude in ihrem Charakter zu erhalten und dabei auch energetisch zukunftsweisend zu modernisieren“, ergänzt Dr. Thomas Bernhard, Referatsleiter Umwelt der Stadt Gelsenkirchen, die Dankesworte an das Projekt.

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