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11.11.2015 11:00 Alter: 3 yrs

Erfahrungsbericht: Geht doch! – Unterwegs mit den Klimapilgern

Was bringt Menschen dazu im Namen von Kirche und Klimagerechtigkeit 1.500 Kilometer von Flensburg nach Paris zur Weltklimakonferenz zu pilgern? Am 13. September startete die Aktion in Flensburg, am 25. Oktober war Halbzeit in Wuppertal. Alle, die sich keine drei Monate auf die Reise begeben können, so wie ich, können auch Tages- oder Teilstrecken mitpilgern. Eine tolle Aktion! Also schnürte ich meine Wanderschuhe und ging eine Etappe mit.


Am Sonntag konnten sich die Klimapilgerinnen und -pilger zum Bergfest einen Tag Ruhe gönnen, doch direkt am Montag ging es weiter. Die Etappe führte über 21 Kilometer von Wuppertal durch das schöne Gelpe- und Morsbachtal, unter der Müngstener Brücke hindurch nach Solingen Unterburg. Petrus schien es zu gefallen, denn der goldene Herbst gab sein Bestes. Die Gruppe war größer, als ich erwartet hatte: ca. 60 Menschen machten sich auf den Weg, davon fünf Pilger, die die gesamte Strecke von Flensburg nach Paris zurücklegen. Die anderen waren Tagespilger wie ich oder sie gingen über mehrere Tage mit.

Zwei Kraftpunkte in Wuppertal
Entlang des Weges steuern die Pilger Kraftpunkte an. Erster Kraftpunkte an diesem Tag war das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Nach einer kurzen Begrüßung durch eine wissenschaftliche Mitarbeiterin pilgerten wir zum zweiten Kraftpunkt, der Station Natur und Umwelt, wo auch schon der WDR auf die Gruppe wartete. Nach einigen Interviews und einer kurzen Pause ging es dann erst richtig los.

Goldener Herbst
Durch einen goldleuchtenden Herbst gingen wir ein strammes Stück durch das wunderschöne Bergische Land bis nach Wuppertal-Sudberg. Immer voran ging das Banner mit dem Motto „Geht doch“, ich war eine von zwei stolzen Trägerinnen. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, da der WDR uns mehrmals filmte, und die langen Holzstöcke sich häufiger in den Baumwipfeln verfingen. Die Pilger aus dem flachen Norddeutschland kamen einige Male gut ins Schnaufen, dem Kameramann erging es unter der Last des Equipments nicht besser.

Schweigemarsch zur Müngstener Brücke
Nach einem stärkenden Mittagessen mit Pizza, Gebet und Gesang pilgerten wir weiter. Unser Begleiter, Pfarrer Löschke aus Remscheid, hielt uns an, eine Strecke von ca. drei Kilometern schweigend zurückzulegen. Ich hatte schon einige inspirierende Gespräche bis hierhin geführt, über Greenpeace, Klima und die Weltklimakonferenz in Frankreich, so dass ich fast Sorge hatte, nun etwas zu verpassen. Doch nun war die Zeit gekommen, in sich zu gehen und in Ruhe die wunderschöne Natur zu genießen. An einer Stelle ließen sich dutzende Marienkäfer auf meiner Jacke und Hose nieder, wer weiß, ob ich das im Gespräch mitbekommen hätte. Selbst nachdem das Schweigen wieder aufgehoben wurde, war die allgemeine Stimmung noch erstaunlich ruhig.

Müngstener Brücke – Zeichen der Industriekultur
An der Müngstener Brücke, der mit 107 Metern höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands, erwartete uns der frisch gewählte Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach mit Kressesamen als Geschenk. Obwohl er sicherlich nach dem Amtsantritt anderes zu tun hätte, ließ er es sich nicht nehmen, die letzten fünf Kilometer mit uns zu gehen. Ich fand es wirklich erstaunlich, auf welch großes Interesse die Pilgeraktion überall stieß. Bleibt nur zu hoffen, dass dies bei den Entscheidungsträgern in Paris auch der Fall sein wird.


Dr. Rebekka Loschen, Teamleiterin Projektmanagement, KlimaExpo.NRW