< So geht’s: Mit dem Stromsparcheck im Haushalt Energie und Geld sparen
12.09.2018 09:13 Alter: 92 days

Ein Beitrag zur Energiewende: Speichertechnologien im Effizienztest

Die Energiewende birgt zahlreiche Herausforderungen für die zukünftige Energieversorgung. Eine davon ist die Sicherstellung der Netzstabilität, denn die Einbindung Erneuerbarer Energien (EE) führt zu schwankenden Belastungen. Speichertechnologien können hier Abhilfe schaffen. Um die Nutzung voranzutreiben und EE-Anlagenbetreibern eine Hilfestellung zu bieten, forscht die FH Münster im Projekt EnerPrax gemeinsam mit der Gemeinde Saerbeck, dem Gas- und Wärme-Institut Essen e. V., der GELSENWASSER AG und der Saerbecker Ver- und Entsorgungsgesellschaft daran, welche Kombinationen von Speichermöglichkeiten für verschiedene Anwendungsfälle optimal sind. Für dieses Engagement wurde das Forschungsprojekt heute vom Land NRW geehrt. Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW, überreichte Prof. Dr.-Ing. Christof Wetter, Projektleiter der FH Münster, die offizielle Urkunde zur Aufnahme in die landesweite Leistungsschau für den Klimaschutz.


im Bild v.L: hintere Reihe: Nils Brücken, gwi Essen, Simon Nießen, Projektingenieur FH Münster, Christian Heinrich, Projektingenieur FH Münster. Vordere Reihe: Wilfried Roos, Bürgermeister der Gemeinde Saerbeck, Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW, Prof. Christof Wetter, Projektleiter FH Münster. EnerPrax ist der 317. von 1.000 Schritten in eine klimafreundliche Zukunft in NRW. Foto: KlimaExpo.NRW

In Zeiten, in denen EE-Anlagen mehr Strom produzieren als benötigt wird, greift das Einspeisema-nagement der Netzbetreiber und fährt Anlagen entsprechend herunter. Damit wird die Netzstabilität gesichert. Um das Aussetzen der Stromproduktion zu vermeiden, muss der Überschussstrom vorübergehend gespeichert werden. Dies ermöglichen sowohl Batteriespeicher als auch andere Power-to-X-Verfahren. Die FH Münster betrachtet diese Technologien im Projekt EnerPrax umfassend und erforscht, welche Kombination der Speichertechnologien sich für unterschiedliche individuelle Szenarien anbietet. In dem in der Gemeinde Saerbeck errichteten Bioenergiepark wird mit den eigenen regenerativen Erzeugungsanlagen (Wind, Photovoltaik und Biogas) mehr als doppelt so viel Strom erzeugt, wie die Gemeinde benötigt. Eine reale Energieautarkie ist jedoch aufgrund der schwer zu prognostizierenden Erträge aus den Anlagen und dem Fehlen von Steuerungs- und Speichertechnologien nicht realisierbar. Anhand der Daten des Bioenergieparks wird daher beispielhaft erforscht, wie eine sinnvolle Kombination von Speichermedien die Eigenverbrauchsrate erhöhen kann. „Das Projekt EnerPrax leistet mit seiner Forschung einen bedeutenden Beitrag für das Gelingen der Energiewende. Das ist ein wichtiger Schritt – für Wirtschaft und Klimaschutz gleichermaßen – und verdient deshalb einen Platz in unserer Leistungsschau“, so Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäfts führer der KlimaExpo.NRW, bei der Urkundenübergabe.

Ermittlung optimaler Speicher-Kombinationen

Im ersten Schritt des Projektes wurden die am Markt befindlichen Speichertechnologien mit den jeweiligen Installations- und Leistungsdaten in einer Machbarkeitsstudie erfasst. Mit der Eingabe des Erzeugungs- und Lastprofils der Gemeinde Saerbeck wurde im Anschluss eine Simulation erstellt, mit der die optimale Speicherkombination für verschiedene Lastgänge ermittelt werden kann. Die Installation einer Demonstrationsanlage im Park mit eben diesen Technologien ermöglicht nun die Überprüfung der Wirksamkeit dieser Kombination. Mit den hier gewonnenen Erfahrungen soll dann eine Großanlage konstruiert werden, die in Zukunft die Stromüberschüsse einspeichern und bei Bedarf wieder zur Verfügung stellen soll. „Die Entwicklung von geeigneten Speichertechnologien darf sich nicht nur auf die Speicherung von elektrischer Energie beschränken, sondern muss vielmehr im Gesamtzusammenhang gesehen werden. Wir versuchen hierfür Lösungen zu schaffen, die unsere Energieversorgung stabilisieren und sichern und zu einer erfolgreichen Energiewende beitragen. Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Aufnahme in die Leistungsschau eine Bestätigung erhalten, mit unserem Projekt genau den richtigen Weg zu gehen“, so Prof. Dr.-Ing. Christof Wetter, Projektleiter EnerPrax.

Mehr Effizienz und Versorgungssicherheit

Mit den Ergebnissen aus der Simulation der Gemeinde Saerbeck sammeln die Projektierer zahlreiche Erkenntnisse, mit denen eine Software entwickelt wird, die auch anderen EE-Anlagen-Betreibern bei Eingabe ihrer speziellen Erzeugungs- und Lastprofile individuelle Speicherkonzepte auslegt. Das Tool, soll so auch anderen Regionen und Gemeinden dazu dienen, ihre Energieversorgung zukunftsgerichtet und sicher zu gestalten. Mit dem Einsatz von Speichertechnologien sinkt zudem der Bedarf am Ausbau weiterer kostenintensiver Stromtrassen. Das Projekt stellt demnach nicht nur eine Möglichkeit dar, die Nutzung Erneuerbarer Energien effizienter zu gestalten, sondern auch die Notwendigkeit des Trassenausbaus zu reduzieren.

Zum Projekt