"Die einzigartige städtebauliche Struktur der Sennestadt hat Zeugniswert; Eine Sanierung muss immer die besondere Architektur der Nachkriegsmoderne betrachten. Dabei liegt der Fokus auf der Kommunikation aller Beteiligten: Nur so erreicht man Qualität." (Foto: Peter Wehowsky)

Thorsten Försterling, Sanierungsmanager der Sennestadt

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Die klimafreundliche Stadt: Kooperative Quartiersplanung setzt Maßstäbe

Als Stadt der Zukunft galt die 1954 im Süden von Bielefeld entstandene Großwohnsiedlung von Stadtplaner Bernhard Reichow. Um diesem Credo auch heute noch gerecht zu werden, macht die Stadt Bielefeld den rund 21.000 Einwohner zählenden Bezirk nun erneut fit für die Zukunft. Der begleitende Planungsprozess setzt Maßstäbe für den Umbau von Stadtquartieren hinsichtlich Klimaschutz und Bürgerbeteiligung.

Der Bezirk Sennestadt steht vor großen Herausforderungen: Viele Gebäude sind sanierungsbedürftig und oft von Bürgerinnen und Bürgern hohen Alters und mit geringem Einkommen bewohnt. Hier setzt die Stadt Bielefeld mit ihren Partnern an und entwickelt Lösungen für klimagerechte Gebäude und Infrastrukturen mit mehr Wohn- und Lebensqualität. Bereits 32 Mehrfamilienhäuser mit 373 Wohnungen hat die Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (BGW) energetisch saniert und damit den Endenergieverbrauch um durchschnittlich 50 Prozent gedrosselt.

Fortschrittsmotor Klimaschutz:

  • Augenmerk auf Sanierungsqualität
  • Die Bewahrung der Stadtansicht steht im Vordergrund
  • konzeptionelle Einbindung der Bürger ausgezeichnet
  • Bereits 35 Häuser saniert

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Peter Wehowsky

Die Sanierungsmanager des deutschlandweiten KFW-Programmes 432 waren im Rahmen der Begleitforschung am 30.01.2015 in die Senenstadt gekommen, um Expertenwissen zusammenzubringen. Dabei sei die Sennestadt, in der viele aufeinander abgestimmte Klimaschutzziele verfolgt werden, als eines der ersten und größten Sanierungsquartiere besonders interessant, meinte Beate Glöckner vom Bundesbauministerium.

 

Kooperative Planungsprozesse als Schlüssel zu Erfolg

Anfang 2014 hat Sanierungsmanager Thorsten Försterling seine Arbeit in der Sennestadt aufgenommen. Seine Stelle wird über das KfW-Programm „Energetische Stadtsanierung“ teilfinanziert. Er führt Gespräche mit den Hauseigentümern und den Eigentümergemeinschaften und leitet neue Sanierungsprojekte, zum Beispiel für Reihen- und Hochhäuser, an. Dabei ist die Bürgerbeteiligung der Schlüssel zum Erfolg. Das Klimaquartier setzt auf Anerkennung und Vernetzung aktiver Bürgergruppen und kommunaler Netzwerke. Dieses Engagement zeichnete das Ministerium für Bauen, Wohnen, Verkehr und Stadtentwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen 2014 im Programm „Stadtumbau West“ durch den Sonderpreis Konzeptionelle Einbindung aus. 

Wohnwertorientierte Immobilienbewertung mit nachhaltigen Indikatoren

Das Bekenntnis zum Klimaschutz zog auch institutionell Kreise. Seit 2012 wurde in Bielefeld schrittweise ein ressortübergreifendes Projektmanagementteam etabliert, das heute den Umsetzungsprozess steuert. Gemeinsam mit der Kreditwirtschaft erarbeitet das Team Indikatoren für eine nachhaltige, wohnwertorientierte Immobilienbewertung. Daraus soll ein quartierbezogenes Bewertungstool entstehen, das energetische und ökologische sowie baukulturelle und soziale Parameter berücksichtigt.

In der Sennestadt geht es weiter: Geplant sind unter anderem die Etablierung eines Wärmenetzes auf Basis von Anlagen, die gleichzeitig Strom und Wärme bereitstellen („Kraft-Wärme-Kopplung“) sowie eine Klimaschutzsiedlung als Neubau auf einer alten Industriefläche.

Projektvideo Klimaquartier Sennestadt